DieNationale Volksarmee und die Grenztruppen der DDR

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Kategorie: Friedenspolitik
Veröffentlicht am Dienstag, 26. Februar 2019 19:16
Geschrieben von Weiterbildung
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Die Nationale Volksarmee und die Grenztruppen der DDR

 

Die Nationale Volksarmee der DDR (NVA)

 Am 18. Januar 1956 beschloss die Volkskammer der DDR das Gesetz zur Bildung der NVA, nach dem bereits 1955 die ersten Bundeswehreinheiten aufgestellt wurden. Die Aufstellung der ersten Truppenteile der NVA erfolgte am 01. März 1956. Seit dem gilt der 1. März als Tag der Nationalen Volksarmee, dem wichtigsten bewaffneten Organ und Kern der sozialistischen Landesverteidigung. Anlässlich dieses Ehrentages erließ der Minister für Nationale Verteidigung der DDR jeweils einen Tagesbefehl:

 „Genossen Soldaten, Flieger, Matrosen, Unteroffiziere und Maate!

Genossen Offiziere,, Generale und Admirale!

Genossen Zivilbeschäftigte der NVA!“

 So begann des Tagesbefehl des Ministers für Nationale Verteidigung anlässlich des 1. März des Tages der NVA. .Mit dem Gesetz der Volkskammer der DDR über die Schaffung der NVA und des Ministeriums für Nationale Verteidigung vom 18.Januar 1956 wurde der Grundstein für eine moderne und kampfstarke Armee des Volkes gelegt. Getreu der Lehren von Karl Marx und Friedrich Engels und der Erfüllung der Erfahrungen aus der Geschichte leisteten die Angehörigen der NVA an der Seite der Sowjetarmee und im Bündnis mit den anderen Bruderarmeen ihren Beitrag zur längsten Friedensperiode in Europa.

 Nach der Annektion der DDR, in der die NVA sich nicht gegen das eigene Volk stellte, wurde sie am 03. Oktober 1990 aufgelöst.

 Am 24. Januar 1962 beschloss die Volkskammer das Verteidigungsgesetz und die allgemeine Wehrpflicht. Dieses Recht und die Ehre zur Verteidigung der sozialistischen Heimat schworen seit dem die Soldaten der NVA im Fahneneid, der von unseren Feinden immer beschimpft und als ungerechtfertigt dargestellt wurde:

 ICH SCHWÖRE:

Der Deutschen demokratischen Republik, meinem Vaterland, allzeit treu zu denen und sie auf Befehl der Arbeiter-und-Bauern-Regierung gegen jeden Feind zu schützen.

 

ICH SCHWÖRE:

An der Seite der Sowjetarmee und den Armeen der mit uns verbündeten sozialistischen Länder als Soldat der Nationalen Volksarmee jederzeit bereit zu sein, den Sozialismus gegen alle Feinde zu verteidigen und mein Leben zur Erringung des Sieges einzusetzen.

 

ICH SCHWÖRE:

Ein ehrlicher, tapferer, disziplinierter und wachsamer Soldat zu sein, den militärischen Vorgesetzten unbedingten Gehorsam zu leisten, die Befehle mit aller Entschlossenheit zu erfüllen und die militärischen und Staatlichen Geheimnisse immer streng zu wahren.

 

ICH SCHWÖRE:

Die militärischen Kenntnisse gewissenhaft zu erwerben, die militärischen Vorschriften zu erfüllen und immer und überall die Ehre unserer Republik und ihrer Nationalen Volksarmee zu wahren.

 Sollte ich jemals diesen meinen feierlichen Fahneneid verletzen, so möge mich die harte Strafe der Gesetze unserer Republik und die Verachtung des werktätigen Volkes treffen.

 

Dieser Fahneneid wurde sofort nach der Annektion der DDR außer Kraft gesetzt. Er gilt aber noch immer für mich und viele andere ehrlichen Kommunisten und ehemaligen Soldaten der NVA (Oberstleutnant a.D. Jürgen Geppert).

 

Zur Gründung:

 In Übereinstimmung mit den Gesetzmäßigkeiten des sozialistischen Aufbaus und als Antwort auf die Remilitarisierung Westdeutschlands und der Aggressionspolitik des staatsmonopolistischen Regimes der BRD wurde die Bildung der NVA am 18. Januar 1956 beschlossen. Das war die Antwort auf die Gründung der Bundeswehr der BRD, wo ehemalige Hitlergenerale und Offiziere der Wehrmacht die Pläne für eine mehrere 100 000 Mann starke Armee aufstellten. All das geschah mit Billigung der westlichen Besatzungsmächte.

 Traditionspflege in der NVA:

 Die NVA pflegte und wahrte die fortschrittlichen und revolutionären militärischen Traditionen unseres Volkes. Dazu gehörte z.B.:

 - der Bauernkrieg 1524/25 und sein revolutionärer Führer Thomas Münzer. Am 15. Mai 1525 erlag das von ihm geführte Bauernheer bei Frankenhausen in Thüringen der Übermacht der kriegserfahrenen Söldnerheere der Fürsten und er wurde nach seiner Gefangennahme enthauptet.

 - der Befreiungskrieg 1813/14. In Preußens Armee stellten sich erfahrene patriotische Offiziere an die Spitze einer Reformbewegung die daran gingen ein neues Heereswesen aufzubauen. Dazu zählten: General Gerhard Johann David von Scharnhorst; General August Wilhelm Anton Neidhardt von Gneisenau; Generalfeldmarschall Gerhard Leberecht von Blücher; Kämpfer im Lützower Freichor Theodor Körner;

 - die bürgerlich demokratische Revolution 1848/49. Karl Marx und Friedrich Engels kämpften in den ideologischen und militärischen Schlachten der Revolution; August Willich ein ehemaliger Artillerieoffizier der preußischen Armee Mitglied des Bundes der Kommunisten und in der Revolution Kommandeur des nach ihm benannten Freikorps.

 - die Große Sozialistische Oktoberrevolution 1917. Geführt von Lenin begann ein neues Zeitalter der Menschheit.

 - die Novemberrevolution 1918. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg Waren die konsequentesten Führer des deutschen Proletariats.

 - die revolutionären Kämpfe 1920-1923.

 - der Rote Frontkämpferbund der KPD. Ernst Thälmann, seit 1925 Vorsitzender der KPD, leitet 1923 die letzte revolutionäre Erhebung des deutschen Proletariats nach der Novemberrevolution.

 - der Spanienkrieg 1936-1939. Über Fünftausend deutsche Antifaschisten kämpften dort in den internationalen Brigaden, unter ihnen auch Hans Beimler und Armeegeneral und Minister für Nationale Verteidigung der DDR Heinz Hoffmann;

 - der antifaschistische Widerstandskampf in Deutschland 1933-1945. Tausende wurde ermordet oder in Zuchthäusern und Konzentrationslager gesperrt und dort zu Tode gequält. Deutsche Kommunisten standen in diesem Widerstandskampf in erster Reihe. Sie waren Vorbild für jeden Soldaten der NVA. Kasernen trugen die Namen von Widerstandskämpfern und sie blieben unvergessen, wie z.B. Anton Saefkow, Bernhard Bästlein, John Schehr, Harro-Schulze Boysen.

 

Der Warschauer Vertrag:

 Die DDR war des am 14. Mai 1955 in Warschau abgeschlossenen Vertrages über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand der sozialistischen Staaten. Die Mitgliedsstaaten vereinten sich unter der Losung: „Klassenbrüder – Waffenbrüder – vereint unbesiegbar. Dem Feind keine Chance.“ Die Einbeziehung der NVA wurde 1956 beantragt und 1958 abgeschlossen. Dieses Bündnis war nicht nur ein Waffenbündnis sondern vor allem ein Klassenbündnis. Entsprechend des Planes des Oberkommandos wurden gemeinsame Manöver durchgeführt, in denen die beteiligten Streitkräfte der verschiedenen Staaten wie eine einzige Armee handelten. Die gemeinsamen Manöver auf dem Territorium der DDR waren: „Quartet 1963“, „Oktobersturm 1965“, „Waffenbrüderschaft 1970“, Waffenbrüderschaft 1980“.

 Teilstreitkräfte der NVA:

 Die NVA war in Teilstreitkräfte gegliedert . Dazu gehörten:

 Die Landstreitkräfte mit

Motorisierte Schützentruppen; Panzertruppen; Raketentruppen/Artillerie; Truppenluftabwehr; Truppenaufklärung; Pioniertruppen; Chemische Dienste; Nachrichtentruppen; Fallschirmjäger; Rückwärtige Dienste; Militärfliegerkräfte (Kampfhubschrauber).

 Die Luftstreitkräfte mit

 Luftverteidigung; Jagdflieger; Fla-Raketentruppen; Funktechnische Truppen; Transportflieger; Fliegeringenieurdienst; Spezialdienste.

Die Luftstreitkräfte befanden sich im diensthabenden System. Das heißt, nach einem genau festgelegten Plan befand sich sich ständig ein Teil in voller Gefechtsbereitschaft. Ein Teil der Jagdflieger patrouillierten ständig in der Luft.

 Die Seestreitkräfte mit

 Küstenschutzschiffe; Raketenschnellboote; Torpedoschnellboote; U-Boot-Jagdschiffe; Minsuch- und Räumschiffe; Landungsschiffe; Seefliegerkräfte; Küstendienste und Hilfsschiffe.

 

Eine Publikation über das Ende der Nationalen Volksarmee der DDR

Unter dem Titel „Die verratene Armee“ haben zwei Insider, Ralf Rudolph und Uwe Markus, im Berliner Phalanx Verlag in der Edition Militärgeschichte und Sicherheitspolitik eine Publikation (ihre sechste) zum Ende der Nationalen Volksarmee der DDR veröffentlicht. Zu den im Verlagstext vorgestellten Autoren heißt es: Rudolph, Jg. 1938, Oberst a. D. und Diplom-Ing., studierte am Institut für Luft- und Raumfahrt in Moskau, war langjähriger Betriebsdirektor des Raketeninstandsetzungswerkes Pinnow, danach Abteilungsleiter für Spezielle Produktion (Rüstungsproduktion) im Ministerium für Allgemeinen Maschinen-, Landmaschinen- und Fahrzeugbau, 1990 Abteilungsleiter für technische Abrüstung im Ministerium für Abrüstung und Verteidigung, schließlich Unternehmensberater für ein Schweizer Consultingunternehmen mit Arbeitsschwerpunkt Rüstungskonversion. Markus, Jg. 1958, promovierter Soziologe, war bis 1990 am Institut für Sozialwissenschaftliche Studien in Berlin tätig, seither arbeitet er Marktforscher, Marketingberater und Dozent. Seinen Militärdienst leistete der Oberleutnant a. D. als Zugführer eines Panzerzuges in der 9. NVA-Panzerdivision.
Die Autoren vermitteln umfangreiche Informationen zur Rolle der NVA in der letzten Etappe der Existenz der DDR, die bisher weitgehend nur Insidern bekannt sind, so auch zur hochmodernen konventionellen Ausrüstung und ihrer qualifizierten Beherrschung durch Soldaten und Offiziere. Schon das dürfte einen breiten Kreis interessierter Leser ansprechen. Die Verfasser verdeutlichen den gesellschaftlich-politischen Hintergrund der Entwicklung 1989/90, der durch folgende Faktoren charakterisiert wurde: Der Übergang Gorbatschows auf sozialdemokratische Positionen und sein Verrat am Sozialismus und den Mitgliedern des Warschauer Vertrages wirkten sich verheerend aus, darunter besonders auf die DDR als den engsten Verbündeten. Orientiert an Gorbatschow riss mit Gregor Gysi an der Spitze eine revisionistische Gruppe in einem Parteiputsch die Führung der SED an sich und leitete deren Umwandlung in eine nichtkommunistische sozialdemokratisch orientierte „Partei des demokratischen Sozialismus“ ein (aus der die heutige Partei „Die Linke“ hervorging). Ihr bis März 1990 amtierender Ministerpräsident Hans Modrow wisch angesichts der Haltung Moskaus vor dem wachsenden Druck der Bundesregierung unter Kanzler Kohl zurück. Die unter mysteriösen Umständen am 9. November 1989 geöffnete Grenze nach Westberlin wie danach zur Bundesrepublik wurde nicht mehr kontrolliert, was der Konterrevolution Tür und Tor öffnete. Im Todeskampf, der für die DDR begann, wäre eine Staatssicherheit dringend erforderlich gewesen. Stattdessen löste Modrow das Ministerium für Staatssicherheit auf und verzichtete auf Forderung des „Runden Tisches“, der objektiv und von den meisten seiner Teilnehmern her auch subjektiv konterrevolutionäre Positionen vertrat, auf ein geplantes Amt für Nationale Sicherheit. Parallel zur Liquidierung der Sicherheitsstrukturen wurden die SED-Basis-Organisationen in den Betrieben beseitigt, die Kampfgruppen aufgelöst und die NVA ruhiggestellt bzw. durch erste Generalsverhaftungen eingeschüchtert. Ähnlich wurde in der NVA mit der Beseitigung der Parteistrukturen der SED verfahren, der die Auflösung der Politabteilungen folgte. Das erwies sich, halten die Autoren fest, „angesichts noch wenig ausgereifter Vorstellungen über Inhalte und Strukturen der staatsbürgerlichen Arbeit als Auftakt nicht nur für die Entpolitisierung der Armee, sondern auch für die Zerstörung der historisch gewachsenen politischen Identität vor allem des Offizierskorps.“ Die Modrow-Regierung ließ zu, dass in der NVA auf allen Ebenen mit dem Oppositionsgremium des „Runden Tisches“ zusammengearbeitet und diesem ein Mitspracherecht zu die Armee betreffenden Reformen eingeräumt wurde, womit, wie auf Regierungsebene auch in der Armee eine „Doppelherrschaft“ installiert wurde. Hier wie an anderen Stellen sprechen die Autoren Klartext, wenn sie festhalten: „Es dürfte ein historisches Novum sein, dass eine Armeeführung, die verfassungsrechtlich ausschließlich der noch amtierenden Regierung unterstand, freiwillig militärpolitische Konzeptionen mit oppositionellen Kräften diskutierte, die teilweise eben die Streitkräfte ausschalten wollten“, und „die neuen Gesprächspartner wollten erkennbar Macht und versuchten, ihr Gremium als Instanz mit politischer Weisungsbefugnis zu etablieren.“ Im Ministerium der NVA war „die Neigung ausgeprägt, sich im vorauseilenden Gehorsam den Forderungen der verschiedenen Interessengruppen und Parteien auf der politischen Bühne des Landes“ anzupassen. Modrow war noch bevor er Regierungschef wurde als Sekretär der Bezirksleitung Dresden der SED an der Spitze einer Protestdemonstration gegangen, der die Losung vorangetragen wurde „weg mit der SED“.

Unter dem gezielten Einfluss der Opposition brachen im Januar 1990 in 40 Kasernen bzw. Truppenteilen der NVA Soldatenstreiks aus und in einigen Dienststellen wurden Soldatenräte gebildet, die den Strafbestand der Meuterei erfüllten (§ 259 Militärgerichtsordnung der NVA). Der Minister, Admiral Theodor Hoffmann, begab sich zu einer Versammlung der Streikenden in Beelitz und stimmte ihren Forderungen im Wesentlichen zu. Die Forderungen von Kommandeuren, das Fallschirmjägerbataillon gegen die Meuterer einzusetzen, lehnte er ab, da er das, wie er begründete, „für altes Denken“ hielt und er damit „den friedlichen Charakter der Wende in der NVA verletzt“ hätte.

Die Autoren verdeutlichen auch, dass die DDR, als sie von Gorbatschow fallen gelassen wurde, den wichtigsten außen- und militärpolitischen Faktor ihrer Existenzsicherung verlor, und sie damit nicht mehr zu retten war. Doch ihr Anschluss an die BRD hätte nicht in jene kampf- und bedingungslose Kapitulation münden müssen, die von der letzten DDR-Regierung unter De Maizière vollzogen wurde, aber bereits unter der Regierung Modrow und der PDS unter Gysi einsetze. Die Autoren treffen hier eine Kernaussage: „In dem Maße, wie die staatlichen Strukturen sukzessive zerstört und die verfassungsrechtlichen Grundlagen der DDR mit kräftiger Unterstützung von außen in Frage gestellt wurden, wäre es Aufgabe der politisch Verantwortlichen gewesen, der Armee einer aktive Rolle bei der Aufrechterhaltung der staatlichen Ordnung zuzuweisen, statt sie durch Stillhaltebefehle als Machtfaktor zu paralysieren“. Das wäre „kein Staatsstreich gewesen“, sondern hätte, so Markus/Rudolph weiter, „mit hoher Wahrscheinlichkeit viele erhitzte Gemüter beruhigt und zur Relativierung radikaler Machtambitionen mancher Oppositionspolitiker beigetragen. Außerdem hätte ein solches Statement der Militärführung all jenen DDR-Bürgern den Rücken gestärkt, die für ihr Land eine sozialistische Perspektive befürworteten.“

Ausführlich wird auf die Situation im Spätherbst in der DDR eingegangen, in der sich die Unzufriedenheit eines Teils der DDR-Bürger mit ihrem Staat und seiner Führung in Protestdemonstrationen äußerte und sich die Frage stellte, die NVA gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen. Die DDR-Führung wurde in dieser Situation Opfer ihrer eigenen Propaganda, die immer von sich gab, das „ganze Volk“ stehe hinter ihr. Völlig übersehen wurde hier, dass in den Klassenkämpfen der Jahrhunderte, es den Ausbeutern und Unterdrückern immer gelang, Teile des Volkes für ihre Interessen zu missbrauchen. Das hätte stärker herausgearbeitet werden können. So auch, dass auf diese Proteste der Gegner, in vorderster Linie die USA mit ihrem Headquarter CIA in Westberlin, massiv Einfluss nahmen. In Washington hatte man frühzeitig erkannt, dass der „Verkauf“ der DDR durch Gorbatschow an die Bundesrepublik beschlossene Sache wurde. Monate bevor die Unruhen in der DDR ausbrachen, schickten die USA ihren wichtigsten Mann der CIA, Drei Sterne-General Vernon A. Walters, bereits im April 1989 als Botschafter getarnt nach Bonn, um auf diese Prozesse Einfluss zu nehmen. Wie Walters in seinem Buch „Die Vereinigung war voraussehbar“ (Siedler-Verlag 1994) offenbarte, habe ihn Präsident Bush (senior) klar gesagt, dass es darum gehe, den Hauptstoß gegen die DDR zu führen, um „dem sowjetischen Sicherheitssystem das Herz herauszureißen“.

War es im Spätherbst 1989 gerechtfertigt, die NVA nicht gegen die Proteste einzusetzen, so stand diese Frage, wie die Autoren verdeutlichen spätestens nach dem Amtsantritt der Regierung Lothar De Maizière anders. Markus/Rudolph widmen sich der bis heute nicht untersuchten Frage, ob und welche Möglichkeiten es im Militärbereich gab, dem nun massiv einsetzenden Vormarsch der Konterrevolution entgegenzutreten und ihn aufzuhalten und gehen auch auf die Frage ein, ob die Militärs der DDR einen Putsch gewagt hätten. Immerhin standen für den „Tag X“ in der DDR bereit: 365.000 Mann der Westgruppe der Sowjetarmee, 172.000 Mann der NVA, Volkspolizei und Staatssicherheit mit je 90.000 Mann Bewaffneter und (bevor sie aufgelöst wurden) 400.000 Mann der Betriebskampfgruppen. Der Innenminister De Maizières, Peter Michael Diestel, äußerte später, dass die Uniformträger gezielt mit Zuversicht geradezu zugepflastert wurden, um das zu verhindern und gab zu: „Wenn man ihnen von vornherein gesagt hätte, liebe Freunde, ihr müsst jetzt eure Waffen abgeben, und mit dem Beitritt (zur BRD) werdet ihr dann völkerrechtlich diskriminiert, werdet strafverfolgt, werdet auch in der öffentlichen Bewertung deklassiert, dann hätte es den Putsch gegeben.“ Markus/Rudolph schlussfolgern: „Gegen den Widerstand einer strategisch denkenden und entschlossen auftretenden NVA-Militärführung, die sich aus dem politischen Entscheidungsprozess nicht hätte verdrängen lassen, wäre die Durchsetzung der in Bonn erdachten Auflösungsstrategie nicht möglich gewesen“.

Unter anderem äußern sich die Autoren zur Rolle des letzten Dienstherrn der NVA, dem früheren Pfarrer Rainer Eppelmann, der sich Minister für Abrüstung und Verteidigung nannte, dessen Heuchelei keinerlei Widerstand entgegengesetzt wurde. Die Generalität fand sich unter dem neuen NVA-Chef, Admiral Theodor Hoffmann, auch damit ab, dass mit Ausnahme der ersten Beratung, „keine Vertreter der Militärführung bei den Verhandlungen der die NVA betreffenden Teile des Einigungsvertrages zugegen“ waren. „Und die Generale gehorchten“. Allerdings meinen die
Verfasser, Eppelmann könnte eine Zeit lang selbst an die von ihm verbreiteten Illusionen von der Existenz zweier Armeen im „vereinigten Deutschland“ geglaubt haben. Wie weit das zutreffen könnte, muss hier dahin gestellt bleiben. Fest steht, dass Eppelmann als ein übler Heuchler agierte, was soweit ging, die NVA als „Machtinstrument des stalinistischen Unrechtsregimes der SED“ zu diffamieren, sie am 20. Juli 1990 gleichzeitig den Eid für den Schutz der Deutschen Demokratischen Republik schwören zu lassen. Nachsprechend lautete der Schlusssatz: „Ich schwöre, meine ganze Kraft zur Erhaltung des Friedens und zum Schutz der Deutschen Demokratischen Republik einzusetzen.“ Hier hätte es also eine auch rechtliche Grundlage gegeben, seitens der NVA gegen die Einverleibung der DDR durch die BRD Widerstand zu leisten. Der Journalist der „jungen Welt“ Peter Wolters, der als Aufklärer der HVA selbst zu seinen Überzeugungen mutig bis zum bitteren Ende und auch im Gefängnis der Klassenjustiz gestanden hat, stellte die Kernfrage: „Objektiv gesehen war der Anschluss der DDR eine Konterrevolution – hätte die NVA sich ihr nicht entgegenstellen müssen“ und fragte: „wie hat sich die politische Führung verhalten?“ (jW, 2. Dezember 2013). Markus/Rudolph schätzen ein, „dass die noch in Amt und Würden befindliche Führungsspitze der NVA den Herausforderungen der System- und Staatskrise nicht gewachsen war“. Das Verhalten einiger ihrer Generäle und Admiräle mit Theodor Hoffmann an der Spitze – Ende September 1990 waren das noch 24 – ging so weit, dass sie selbst bereit waren in den Dienst der Bundeswehr, nachgewiesener Maßen seit ihrer Geburtsstunde zu einer Aggressionsarmee des deutschen Imperialismus aufgebaut, zu wechseln.
Ein angefügter Beitrag des Oberstleutnants Ingo Höhmann, Jg. 1953, 1989/90 Kommandeur eines Mot.-Schützenbatallions belegt, dass es durchaus genügend Offiziere und Soldaten gab, die bereit waren, die DRR zu verteidigen. Er schreibt: „Es gab offensichtlich bei jenen DDR-Bürgern, die noch loyal zu ihrem Staat standen, die Hoffnung, dass die Armee sich der völligen Auflösung der staatlichen und politischen Ordnung entgegenstellt. Das war in meinen Augen eine Legitimation für ein stabilisierendes Eingreifen der Streitkräfte. Die DDR-Regierung hätte in der damaligen Situation jedes Recht der Welt gehabt, den Ausnahmezustand auszurufen.“ Leute wie Höhmann wurden jedoch im Stich gelassen und wie der Titel des Buches aussagt, verraten. Dass zahlreiche DDR-Bürger darauf warteten, dass die NVA Position bezieht, zeigte sich auch als im Januar 1990 250.000 Menschen an einer Protestdemonstration gegen Hakenkreuzschmierereien am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin Treptow teilnahmen und die in Uniform kommenden Soldaten und Offiziere lebhaft, u. a. mit Rufen „ Da seid ihr ja endlich“ begrüßt wurden.
Markus/Rudolph leisten mit ihrer souveränen Abhandlung einen gelungenen und tiefgehenden Beitrag zu einer immer noch ausstehenden Gesamtanalyse der Rolle der NVA in der letzten Phase der Existenz der DDR. Es ist zu wünschen, dass ihr Buch dazu Anlass gibt. Bei dieser Analyse wird man nicht umhin kommen, einen Blick auf das zu werfen, was die Klassiker zu solchen Augenblicken der Klassenauseinandersetzungen sagten, um Schlüsse für 1989/90 zu ziehen. Darunter, was Marx zur Machtergreifung des Pariser Proletariats im März 1871 sagte (Brief an Ludwig Kugelmann, MEW (DDR-Ausgabe), Bd. 33, S. 209) oder das Vorwort Lenins zur russischen Übersetzung der Briefe von Marx an Kugelmann, Werke, Bd. 12 (DDR-Ausgabe), S. 103).

Gerhard Feldbauer

Uwe Markus/Ralf Rudolph: Die verratene Armee
Phalanx, Edition Militärgeschichte und Sicherheitspolitik, Berlin 2013
ISBN 978-3-00-041734-4
Ladenpreis 16,95 Euro.

 

 

 

Die Grenztruppen der DDR

 Die Staatsgrenze der DDR markierte das Hoheitsgebiet unserer Republik. Im Westen und Südwesten bildete diese Staatsgrenze mit einer Länge von 1.328 Kilometern die Trennungslinie zwischen unserer sozialistischen Republik und der imperialistischen BRD. Hier standen sich Sozialismus und Imperialismus direkt gegenüber. Hinzu kam noch die 164 Kilometer lange Grenze zum politischen Territorium Westberlin. Diese wenigen Sätze zeigen die Bedeutung auf und widerlegen das Geschwafel von einer „Innerdeutschen Grenze“. Die Grenztruppen der DDR gewährleisteten den zuverlässigen Schutz dieser Grenze gegenüber dem imperialistischen Machtbereich. Somit leisteten sie einen großen Beitrag zur Sicherung Friedens in Europa.

Zur Gründung:

Auf der Grundlage einer Verfügung der SMAD wurde am 1. Dezember 1946 die Deutsche Grenzpolizei (DGP) geschaffen. Sie schützte gemeinsam mit den sowjetischen Streitkräften die Grenze bis zum September 1955. Zu diesem Zeitpunkt wurde zwischen der UdSSR und der DDR der „Vertrag über die Beziehungen zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken“ abgeschlossen. Auf der Grundlage dieses Vertrages übernahm die die DGP ab den 1. Dezember 1955 die allseitige Kontrolle und Überwachung der Staatsgrenze. Im September 1961 wurden zur Erhöhung des militärischen Schutzes der DDR gegen die Aggressionspolitik der BRD aus der DGP die Grenztruppen der DDR gebildet.

Diese waren keine Teilstreitkraft der NVA. Da sie aber den äußeren Schutz der DDR übernahmen wurden sie dem Ministerium für Verteidigung unterstellt.

Die Grenztruppen erfüllten ihren Klassenauftrag. Am 1. Juli 1990 wurden sie in operativen Fragen der Kontrolle der Grenzen zu Tschechien, Polen, den Seegrenzen und den Flughäfen dem Innenminister der DDR unterstellt, und per „Befehl Nr. 49/90 des Ministers für Abrüstung und Verteidigung über die Auflösung der Grenztruppen der DDR“ am 30. September 1990 aufgelöst.